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Zwei aus einem Bronzeguss

Glockenguss an der Marienkirche zieht Hunderte in seinen Bann

Die Spannung hielt bis zum Schluss - ist der Guss der zwei von vier Glocken für die Marienkirche gelungen? Am Sonntag, 19. August 2017, 17.30 Uhr, das Ergebnis:

Oberbürgermeister Sven Strauß (B.o.l.) schlägt die Bürgerglocke mit einer Holzbohle an und sie klingt. Die zweite Glocke wurde von Hermann Schmitt, Chef der Brockenscheider Glockengussfirma, getestet und auch sie klingt.

Aber von vorn! Der Kulturverein Armer Kasten, der Verein für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung und die Selbstständig Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), haben das Vorhaben gemeinsam, mit vielen Unterstützern, realisiert. Das Wochenende 19. bis 20. August 2017 stand rund um die Marienkirche, im Zeichen des Glockengusses. Zwei Glocken brachten die Glockengießer aus der heimischen Werkstatt bereits fertig mit. Samstag, erfolgte die Anlieferung, das Zerlegen und die Eindämmung der Glockenformen.

Dann folgte der Anbau des Ofens und das mit viel Spannung und hunderten Zuschauern erwartete Glockengießen. Für Punkt 15.00 Uhr die "Lions-Club Sangerhausen Rosenstadt" und zwei Stunden später die "Bürgerglocke". Mit Temperaturen um die 1100 Grad, holte der Glockengießer und sein Team jeweils die glühende, feuerrote Metallflüssigkeit, eine Legierung aus Zinn und Kupfer, mit großen Kellen aus den Ofen und füllten sie in die Glockenformen.

IMG 3801IMG 3830Der Lionsclub sammelte Spenden in Höhe von 11.365 Euro für die "Clubeigene Glocke" und übergab den Spendenscheck an Helmut Loth (B.u.r.), Vorsitzender Geschichtsverein und an die Vorsitzende des Kulturvereins Armen Kasten e.V., Sigrun Dittmann. Die Gesamtkosten für die vier Glocken werden sich auf ca. 65.000 Euro belaufen. Zur Zeit fehlt noch ein Betrag von knapp 3000 Euro, für die, die sich über Jahre für die Kirchenglocken engagiert haben, war der Applaus der vielen Begeisterten am Wochenende ein DANKESCHÖN!

IMG 3851Das Glockengießen unter freiem Himmel war für die meisten Besucher ein unvergessliches Erlebnis, vor allem, der Guss, die Entfernung der Glockenmäntel und der erste Anschlag. Und wer das große Spektakel verpasst hat, kann sich die Glocken noch bis zum 9. September in der Marienkirche anschauen, sie sollen dann am 10. 09. geweiht werden.

Noch kurz etwas zur Marienkirche selbst:

Von 1367, also vor 650 Jahren, stammt die erste urkundliche Erwähnung der Marienkirche. Und in der damaligen Kirche läuteten Glocken…

Die Marienkirche wurde um 1350 erbaut. Ihre erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1367. Sie ist die zweitälteste erhaltene Kirche der Stadt. Bis zur Einführung der Reformation 1539 diente sie als Vorstadtkirche für das Neuendorf. Für drei Jahrhunderte (bis 1852) war sie ausschließlich Friedhofskirche - von 1555 an gehörte sie zur „Stiftung Armenkasten“.

Seit 1858 feiert die Altlutherische Gemeinde, die in Sangerhausen um 1840 entstanden ist, ihre Gottesdienste im Kirchenschiff. Von 1860 bis 1893 nutzte die Katholische Gemeinde den Chorraum. 1893 übernahmen die Altlutheraner nach dem Auszug der Katholischen Gemeinde auch den östlichen Teil zur Nutzung.

1977 musste die Kirche wegen ihres schlechten Erhaltungszustandes gesperrt werden. Der bauliche Verfall des Kirchengebäudes nahm in den folgenden Jahren stetig zu. Nach 1990 wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, die zweitälteste noch erhaltene Kirche der Stadt baulich zu retten und zu sichern, sowie das Bauwerk einer neuen Nutzung als multifunktionellen Kulturbau, der eine sakrale Nutzung einschließt, zuzuführen.

Seit 1993 konnten, dank der Unterstützung durch Fördermittel in Regie der Stadtverwaltung, mehrere Bauabschnitte zur dringend notwendigen Sicherung und Instandsetzung des Kirchengebäudes durchgeführt werden. Erst mit der 2016 abgeschlossenen Turmsanierung durch die Stadt Sangerhausen aus Mitteln des Städtebaulichen Denkmalschutzes wurde das Thema wieder aktuell.