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Kranzniederlegung auf dem Sangerhäuser Friedhof zum Volkstrauertag

Seit 1952 gedenkt die Bundesrepublik Deutschland den Toten der Kriege und den Opfern von Gewaltherrschaft aller Nationen.

Die Landrätin des Landkreises Mansfeld-Südharz, Frau Dr. Angelika Klein und Ralf Poschmann, Oberbürgermeister der Stadt Sangerhausen, haben am 13. November 2016, anlässlich des Volkstrauertages, auf dem Sangerhäuser Friedhof, einen Kranz niedergelegt.

In ihren Reden haben  der Oberbürgermeister Ralf Poschmann, Dr. Peter Gerlinghoff, Initiative Erinnern und Gedenken, und Helmuth Loth, Verein für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung e.V., der Toten der Kriege und den Opfern von Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht.

Gedanken zum Volkstrauertag

Das Problem Krieg und Frieden – sei es in der Vergangenheit oder Gegenwart – geht jeden etwas an. Niemand darf sich aus der Verantwortung herauslösen.

Zur Tradition des Volkstrauertages gehört das stille Gedenken. Es bezieht sich auf Menschen, von denen man nicht viel mehr weiß, als dass sie Opfer des Krieges sind. Sie kamen als Verletzte und schwer Verwundete von den Schlachtfeldern zu uns und sind hier auf dem Weg nach Hause verstorben. Ein Jahrhundert liegt das zurück, und dennoch sind es Schicksale, die sich auch heute, unter unseren Augen, tagtäglich und hundertfach ereignen. Lernt die Menschheit nicht? Aus diesem Grund frage ich mich manchmal, ob stilles Gedenken nicht umschlagen sollte in Zorn und einen Schrei auszulösen. Einen Schrei gegen den Krieg. Weg mit den Waffen!

Wäre das nicht im Sinne des Hauptmanns Karl Dreßler, der auf dem Sangerhäuser Friedhof beerdigt wurde, er hat  den vierten Kriegsmonat nicht überlebt. Und welche Mahnung hinterlässt der 19-jährige Füselier Kurt Hoffmann? Das Kriegsende erlebte er im Lazarett und hatte noch 7 Monate Siechtum vor sich, bis er am 27. Juni 1919 hier in Sangerhausen starb.

Ohne Waffen kein moderner Krieg, und es ist bestürzend, dass unser Land zu den größten Waffenexporteuren aufgestiegen ist. Jetzt ist zudem der Bau von Kampfdrohnen angesagt worden. Die Idee dieser Waffen ist einfach: Ohne eigene Gefährdung kann zugeschlagen werden, und das weltweit. Ein sicherheitspolitischer Trugschluss. Erdrückende technologische Überlegenheit provoziert eine asymmetrische Kriegsführung, die schon jetzt schon in Gestalt des Terrorismus auf uns zurückschlägt.

Auf Anregung des Geschichtsvereins wurde den Sangerhäuser Opfer des Bombenangriffs vom 22. Februar 1945 gedacht. Getroffen werden sollte die Gasanstalt, aber die Bomben fielen auch auf die benachbarten Wohnhäuser. Ein typischer Kollateralschaden. Die Erfolgsquote der modernsten Waffen, autonomer unbemannter Luftfahrzeuge, wird zur Zeit auf ca. 70 % veranschlagt, also 30 % Kollateralschaden. Die Kriege im Irak und Libyen haben die Lüge eines humanisierten, auf militärische Ziele begrenzten Krieges gründlich widerlegt. Die Zivilbevölkerung bringt die größten Opfer.

Auch deswegen muss es ein Anliegen der breiten Öffentlichkeit werden, sich gründlicher mit den Kriegen in unserer Zeit zu beschäftigen. Wir brauchen ein Friedensforum, um unsere Kompetenz auf diesem Gebiet zu stärken und das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Kriegsgeschehen zu überwinden. Groß war das Interesse an den Panama-Papieren, aber die Lenkung der Geldströme zur Finanzierung der Kriege weltweit liegt für die Öffentlichkeit im wohl gehüteten Dunkel.

Der Krieg verkrüppelt die Völker, die ihre Konflikte mit Waffen lösen wollen, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Aber der Krieg spaltet die Völker auch im Inneren. Wir erleben das gerade an uns selbst, weit entfernt von den eigentlichen Kriegsschauplätzen. Flüchtlinge klopfen an unsere Tür. Die Hilfsbereitschaft vieler und ein mutiger Satz: „Wir schaffen das“ hat Gegenkräfte mobilisiert, an denen die politischen Strukturen in Europa scheitern könnten. Es gibt also dringenden Gesprächsbedarf, zumal sich gezeigt hat, dass  Wahlentscheidungen auf der Landes- und kommunalen Ebene nicht allein nach örtlichen Gesichtspunkten getroffen werden, sondern von allgemein politischen Fragen mit bestimmt ist. Wir sind also gut beraten, wenn das Gedenken an einem Tag wie diesem einmündet in ein Nachdenken darüber, wie wir unsere Gesellschaft befähigen, die Ursachen der Kriege aufzudecken und Wege zu einem wirklichen Frieden zu finden. Und auch in den kommenden Jahren werden wieder Mitbürger und natürlich auch  junge Menschen eingeladen, damit sie ihre Gedanken zu Krieg und Frieden in unserer Zeit  artikulieren können.

IMG 3097Auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Sangerhausen haben an diesem Tag ihren  verstorbenen Kameradinnen und Kameraden gedacht. Am Feuerwehrdenkmal der Stadt Sangerhausen legten sie im Gedenken an die Feuerwehrmänner Ludwig, Brandt und Tacke einen Kranz nieder. Alle Drei verunglückten bei einem Brand in der Malzfabrik in Sangerhausen am 18. und 19. November 1911.