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Gedenken mit weißen Rosen

Anlässlich des 72. Jahrestages der Zerstörung deutscher Städte am 13. Februar 2017 trafen sich viele Menschen in vielen Städten zum gemeinsamen Gedenken, unter anderem auch an der Marienkirche in Sangerhausen.

Zu dieser Gedenkveranstaltung hatte das Bündnis "Sangerhausen bleibt bunt" aufgerufen.

Den Teilnehmern wurde während der Rede des stellvertretenden Oberbürgermeisters der Stadt Sangerhausen, Jens Schuster, bewusst, dass die deutsche Geschichte auch heute noch ein Teil der Identität eines jeden ist.

Es tragen alle eine gesellschaftlich-politische und ganz persönliche Verantwortung für das Bestreben um Frieden in Deutschland und in der Welt.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 erfolgte auf Dresden der schwerste Luftangriff auf eine Stadt im Zweiten Weltkrieg. Bis zum 15.02. wurden in vier Angriffswellen zunächst gewaltige Mengen an Sprengbomben abgeworfen. Durch die Zerstörung der Dächer und Fenster konnten die anschließend abgeworfenen Brandbomben eine größere Wirkung entfalten. Die historische Altstadt stand zu Dreivierteln in Brand. Die folgenden Angriffswellen trafen die Johannstadt und die Neustadt erheblich - die Bombardements betrafen ein Stadtgebiet von etwa 15 Quadratkilometern und nach neuesten historischen Untersuchungen verloren annähernd 25.000 Menschen ihr Leben. Was in 2.000 Jahren von Generationen erbaut, wurde in nicht einmal 20 Minuten zerstört.

Die irrationale Gewalt, die sich von deutschem Boden aus über die Welt verbreitet hatte, kam an diesem 13. Februar - nicht zum letzten Mal - nach Deutschland zurück. Die Berichte der Zeitzeugen bewegen heute noch jene Generationen, die das Glück haben, in Zeiten des Friedens aufzuwachsen und zu leben. Heutzutage kann sich kaum jemand das unsagbare Leid, das an diesem Tag über die Menschen kam, vorstellen:

Als der Alarm ertönte, blieben den Menschen nur wenige Minuten, um sich in den Luftschutzkeller zu retten. Viele schafften es nicht mehr rechtzeitig. Sie waren dem Flammenmeer hilflos ausgeliefert, in das sich ihre Heimatstadt verwandelt hatte. Ihnen bot sich ein apokalyptisches Bild: Über der Innenstadt stieg eine riesige Rauchwolke auf -gespeist von in Flammen stehenden Häusern. Und über allem hing ein eigenartiges Rauschen: ein Gemisch aus einstürzenden Häusern, prasselndem Feuer und menschlichen Schreien. Als die Überlebenden nach den Angriffen wieder aus den Kellern krochen, erwartete sie Chaos: Tote, verletzte und verwirrte Menschen; brennende Ruinen und Trümmer soweit das Auge reichte. Es begannen die Tage des Suchens nach Verschütteten und Vermissten; Tage des bangen Hoffens und der tiefen Trauer.

Gedenken mit Weissen Rosen"Europa befindet sich nun in der längsten Friedensperiode aller Zeiten - das ist ein großes Glück für die Menschen und keine Selbstverständlichkeit. Nach 1945 beschritten die Europäer den Weg der Versöhnung. Dadurch konnte die Grundlage für einen Kontinent des Friedens und des Wohlstandes gelegt werden. Umso wichtiger erscheint es vielen Deutschen heute, niemals wieder jenes Gedankengut zuzulassen, das über zahlreiche deutsche Städte Zerstörung und Tod brachte. Es gilt als Pflicht, immer wieder an das Leid und die Trauer der Opfer und ihrer Familien zu erinnern- als Mahnmal für diese und alle zukünftigen Generationen. Dabei sollten sich vor allem junge Menschen dieser Verantwortung noch stärker bewusst werden. Nur so können die Trauer lebendig gehalten und die Erinnerung an die Toten in den Herzen aller Mitmenschen bewahrt werden. Aber dieses Leid, welches Kriege über die Menschen bringen, ist nicht nur Teil der Geschichte.

Gedenken mit Weissen Rosen

Auch heute ist dieses Thema aktueller denn je und lässt Millionen von Menschen tausende Kilometer zurücklegen.


Sie kommen nach Europa, um vor den Kriegen in Syrien und Afghanistan zu flüchten und ihre Familien in Sicherheit zu bringen", so Jens Schuster. Und genau dieses Szenario wurde von vier Jugendlichen aus Kandahar und Aleppo illustriert.
Sie zeigten den Teilnehmern der Gedenkveranstaltung Bilder ihrer Heimat - vor dem Krieg und nach der Zerstörung.
Den geflohenen Menschen sollte die Hand gereicht werden, sie müssen unterstützt und in die deutsche Gesellschaft integriert werden.